Wir können stolz auf uns sein

Schule zu Corona-Zeiten

Wir, die Kinder, die Eltern und die Lehrkräfte der Dietrich-Bonhoeffer-Grundschule, können stolz auf uns sein, denn auch durch die Schulschließung, durch den Einsatz der Schulfamilien hat es Deutschland auf eine einzigartige Weise geschafft, die Infektionszahlen so stark zu begrenzen.

Während wir Lehrkräfte zu Beginn der Schulschließung doch einigermaßen überrascht, das Wochenende zu Arbeitstagen machten, um den Kindern genügend Arbeitsmaterial mitzugeben, waren wir uns sicher, den Nachschub per E-Mail erledigen zu können. Wir wurden eines Besseren belehrt: Denn nicht alle Familien hatten einen Drucker, einen PC oder gar eine E-Mail-Adresse.

So wurde Material zusammengestellt und die Kopierer liefen heiß. Manche Kolleginnen, die ihre Kinder auf Grund der Schul- und Kindergartenschließungen selbst betreuen mussten, kamen nachts um 12.00 Uhr, um ihre Päckchen zu richten.

Zu Fuß, mit dem Fahrrad und mit dem Auto wurden diese dann in Heidelsheim ausgeteilt. Andere Kolleginnen teilten ihre Päckchen und manches Aufmunterungsgeschenk vor der Schule aus.

Gespräche vor der Schule, am Telefon, über den Gartenzaun, durch Fenster, in Hauseingängen oder Terrassen wurden geführt, mit den Eltern und/oder mit den Kindern.

Videounterricht mit 4 Kindern oder der ganzen Klasse wurden von den Lehrkräften abgehalten, falls es für die Klassen sinnvoll erschien. Kleine Filme auf YouTube wurden gedreht, Lernplattformen eröffnet, Kinder zu sportlichen Wettkämpfen (Seilspringen) herausgefordert oder mit ihnen auf digitalem Wege gesungen. Einige produzierten für die ganze Klasse Sandbuchstaben zum Nachspuren, verschenkten Radiergummis mit Regenbögen, ließen sich am Telefon Texte vorlesen oder ließen sich erledigte Aufgaben zusenden, um sie dann korrigiert wieder zurückzuschicken.

Die Kolleg*innen brachten es auf den Punkt: „Ich habe noch nie so ein intensives Verhältnis zu meinen Schülerinnen und Schülern und deren Eltern gehabt, wie jetzt, wo wir durch die Schulschließung eigentlich getrennt sind.“

Und neben den vielfältigen Kontakten zu den Eltern und Schülerinnen und Schülern, versorgten die Kollegen zusammen mit dem Kernzeitpersonal des Schulträgers, Kinder in der Notbetreuung.

Neue Ideen wurden umgesetzt, viel Kreativität war in diesen ungewöhnlichen Zeiten gefordert, um unseren Auftrag: Schule@Home umzusetzen.

Dabei trieben uns folgende Fragen um:

Was können Eltern und Kinder unter diesen Bedingungen leisten? Wie viele Stunden sind für die Familien von Grundschulkindern vertretbar? Welche Aufgaben kann man Kindern oder Eltern zumuten? Sollen Zuhause neue Inhalte erarbeitet oder hauptsächlich vertieft und wiederholt werden? Wie erreichen wir alle Kinder? Wie sollen Eltern, die arbeiten und mehrere Kinder in verschiedenen Schulen, aber nur einen PC haben, diese Aufgaben bewältigen?

Die Lehrkräfte hatten alle eine dienstliche E-Mail-Adresse, aber alle mussten ihre privaten Endgeräte nutzen.

Die Verkabelung, die Vernetzung, war zwar schon durch den Schulträger umgesetzt worden, allein die Freischaltung des Internets kam erst während der Schulschließung zustande.

Videokonferenzen konnten nur über private Geräte durchgeführt werden, so dass ich Einblicke in die Wohnungen meiner Schulleitungskollegen erhielt, während Eltern und Kinder die häuslichen Arbeitszimmer so mancher Kollegin zu sehen bekamen.

An dieser und so manch anderer Stelle muss nachgesteuert werden und alle Beteiligten arbeiten daran.

Aber auch Eltern erlebten die Schulschließung sehr unterschiedlich.

Manche standen unter der enormen Belastung, selbst arbeiten zu müssen, entweder außerhalb der eigenen vier Wände oder im Homeoffice und daneben die Kinder zu betreuen, ohne die Großeltern einbeziehen zu können. Ein Spagat, der an die Substanz aller Beteiligten ging.

Andere Eltern erlebten die Schulschließung als eine Art Entschleunigung und genossen die Zeit, die sie mit ihren Kindern verbringen konnten. Die jeweiligen Lebensumstände waren hier maßgeblich.

Um den Kindern die Schule@Home zu ermöglichen, mussten Eltern die Rechner hochfahren, technischen Support leisten, bei Problemen zur Stelle sein, unzählige E-Mails oder Briefe der Schule lesen, Material sichten, Aufgaben korrigieren, Skype oder andere Videoplattformen einrichten und für die Kinder öffnen, Lernplattformen anklicken oder sich bei Unklarheiten mit den Lehrkräften in Verbindung setzen usw., denn Grundschulkinder können noch nicht selbstständig und alleine mit den digitalen Geräten umgehen und arbeiten.

Und manchmal kamen auch die bestausgestattetsten Haushalte digital an ihre Grenzen, wenn beide Eltern an den PCs im Homeoffice arbeiten mussten und die Kinder aus verschiedenen Schulen ebenfalls Endgeräte benötigten.

Auch in diesem Zweig der Schulfamilie entwickelten viele eine enorme Kreativität, um die Situation zu meistern. Hier wurden z.B. Osterhasen gebastelt, die ans Fenster gehängt wurden und die Kinder versuchten alle Osterhasen mit einem Ortsplan und einer Klassenliste bewaffnet, zu finden. Dreimal die Woche verabredeten sich interessierte Kinder in einem virtuellen Klassenzimmer, um sich ganz ohne Eltern und ohne Lehrerinnen über Fußballkarten, neue Frisuren, Ostergeschenke und Witze auszutauschen.

Denn auch den Kindern fehlten ihre Spiel- und Klassenkameraden. Sie sollten selbstständig arbeiten, was nicht jedes Kindes Sache war und ist, sich selbst motivieren oder durch die Eltern motiviert werden… Es gab weder ein Tanz- noch ein Fußballtraining noch konnten sie die Großeltern besuchen und die Tage wurden manchmal lang und länger.

Und auf einmal sehnten sich die Kinder nach der Schule und nach ihren Lehrer*innen. Die Schule als Ort der Begegnung und des gemeinsamen Lernens und die Arbeit der Lehrkräfte wurden von den Kindern und manchmal auch von den Eltern, plötzlich gewürdigt wie noch nie zuvor.

Es gab viele Belastungen und Herausforderungen auf allen Seiten und es kam ein enorme Kreativitätspotential auf allen Seiten zu Tage.

Wir alle, Kinder, Eltern und Lehrkräfte haben viel geleistet, Neues ausprobiert und wir sind an den Herausforderungen gewachsen!

Wir können stolz auf uns sein!!